29.08.2009 St. Johann/Tirol Österreich, zum 40. Geburtstag der Master-Radweltmeisterschaften in St. Johann/Tirol gelingt Armin Raible aus dem Team Corporate Training das eigentlich fast Unmögliche, er wird Weltmeister im Einer-Straße über 120 Kilometer.
In den vergangenen Wochen habe ich bereits über seine präzise und disziplinierte Vorbereitung auf dieses Ereignis berichtet. Armin ist schon eine Woche vor dem großen Tag der Tage vor Ort gewesen, um sich zum einen in absoluter Ruhe und zum anderen intensiv mit der Strecke und den Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Wer Weltmeister werden will, darf nichts dem Zufall überlassen, so dass er am Dienstag auf gleicher Strecke und Distanz ein Weltpokal-Rennen fuhr, um so gleichzeitig auch der internationalen Konkurrenz auf den Zahn zu fühlen. Mit einem 6. Platz am Ende hatte er ein Gefühl, wo er steht. Lockere Trainingsausfahrten, gutes Essen und viel Ruhe sollten ebenso ihren Teil zum Erfolg dazugeben. In den letzten beiden Tagen war Armin so gut wie nicht mehr ansprechbar, was für mich ein klares Zeichen von hoher Konzentration auf das Wesentliche war. Einen Tag vor seinem Start waren die Rennbedingungen für Armin optimal, er braucht hohe Temperaturen jenseits 30 Grad und am liebsten stehende Hitze. Allerdings war dies für den Samstag nicht vorhergesagt, es begann noch in der Nacht zu regnen und die Temperaturen fielen auf 10 Grad am Morgen. Die Stimmung beim Frühstück war entsprechend gedrückt, wobei sich der Buchholzer auch davon nicht aus der Ruhe bringen ließ.
13 Uhr, die Rufe ins Universum und die stillen Gebete haben offensichtlich Gehör gefunden, denn der Himmel schließt seine Pforten und zum Start trocknet sogar noch die Straße ab. Drei Runden á 40 Kilometer auf einer überaus anspruchsvollen Strecke gilt es nun für die 128 Teilnehmern aus aller Welt zu absolvieren. In gewohnter Lässigkeit fliegt Armin Raible über die Huberhöhe, dem höchsten Punkt der Strecke, und kontrolliert von der Spitze des Feldes das Geschehen. Ein Brasilianer hat sich in der zweiten Runde ein Herz gefasst und versucht es auf eigene Faust, dem Feld davonzufahren, wird allerdings nach 35 Kilometer Alleinfahrt wieder gestellt. Ein Russe und ein Fahrer aus der Tschechischen Republik attackieren in der dritten Runde an der Huberhöhe und fahren etwa 15 Sekunden heraus. Das Feld gibt sich aber nicht geschlagen und rollt das Loch auf der rasenden Abfahrt nach Schwendt zu. Genau in diesem Moment setzt Armin Raible die „weltmeisterliche Attacke“, er nutzt die Gunst der allgemeinen Verwirrung und fährt dem Feld davon. Fünf weitere Fahrer, Axel Sinske, Christian Jäger (beide Deutschland), Michel Carter (USA), Peter Schnorf (SUI) und Germona Gaggioli (I) sind ebenfalls mit von der Partie. Ein völlig überrumpeltes Feld schaut sich fragend an und unternimmt nicht sofort etwas, was die sechs Ausreißer für sich in wertvollen Vorsprung verwandeln können. Nun sind es noch knapp 30 Kilometer bis zum Ziel, die Gruppe ist sich einig und harmoniert perfekt. Mit jedem Meter machen sie wertvollen Boden gut, der Vorsprung steigt zwischenzeitlich bis auf zwei Minuten an. In Armins Kopf kreisen jetzt die Gedanken, er schaut sich seine Mitstreiter bei jeder Führung sehr genau an, denn jetzt beginnt das große Pokern. Führen alle gleichmäßig oder zeigt einer bereits Schwächen. Michel Karter (USA) ist ein solcher Kandidat, der das Pokern in allen Facetten beherrscht, das durfte Armin bereits beim Weltpokal-Rennen erfahren, bei dem er von dem Amerikaner am Ende verladen wurde. 2000 Meter noch bis zum Ziel, Axel Sinske (GER/Cottbus) versucht jetzt nochmals, der Ausreißergruppe zu entkommen, 1000 Meter vor dem Ziel, Sinske wird gestellt, jetzt ist noch eine nicht ganz ungefährliche Passage von Kurven und Verkehrsinseln zu überstehen, bevor es auf die etwa 500 Meter lange Zielgerade von St.Johann geht. Die Zuschauer starren gefesselt dem Führungsfahrzeug entgegen, endlich ist es soweit, die Fahrer erscheinen am Ende der Zielgeraden. Der Mann im deutschen Meistertrikot, Armin Raible, der sich auf seinen Spurt verlassen kann, bleibt für meine Begriffe, lange sitzen. Auf Position vier oder fünf erkenne ich ihn bei der 300 Meter Marke, als er dann seinen Turbo zündet und die Kette nach ganz rechts legt, macht er mit seinem Antritt soviel Meter gut, dass seine Konkurrenten nur sparsam schauen. Mit ca. 10 Metern Vorsprung macht Armin Raible das Unmögliche möglich und wird Weltmeister. Ich kann es kaum fassen, ein Fahrer aus unserem Team wird Weltmeister. Zweiter wird Christian Jäger und Dritter der Mann aus der Schweiz.
O-Ton Buthmann nach dem Rennen: „Mehr als 30 Jahre verfolge ich nun schon den Radsport, ich habe schon viele schöne und große Erfolge gesehen und live miterleben dürfen, dies ist aber mit Abstand das Größte. Ich freue mich für Armin, als wäre es auch mein Titel, kaum vorstellbar, wie es sich anfühlt, Weltmeister zu sein. Dies ist der größte und wertvollste Titel, den ein Rennfahrer holen kann. Dazu kommt noch, dass er bereits Deutscher Meister ist. Ich kann es kaum fassen. Armin hat es verdient, er ist ein fairer Sportsmann, den ich sehr schätze, er ist bescheiden und hat im richtigen Moment das Talent, ein Rennen zu lesen. Gratulation von deinem Mitstreiter und gleichzeitig größtem Fan.“
Ergebnisliste:http://www.masterswm.org/v4/html/de//Ergebnislisten/Li4vMjAwOS9lcmdlYm5pcy9lcmdlYm5pc180Lmh0bWw%3D
16.08.2009 Bremerhaven, die Seestadt Bremerhaven und die Volksbank hat zum vierten großen Triathlon geladen. Im Vorfeld dieser Veranstaltung hat sich eine Topformation -bestehend aus André Bierre, Frank Beinhold und Stephan Zielinski – gefunden, die offensichtlich alle bestehenden Rekorde brechen sollte. Als Schwimmer der Staffel ging der bei den Deutschen Freiwassermeisterschaften in Lindau am Bodensee siegreiche André Biere, der für die SSG Bremen/Bremerhaven startet, über 5 km in 58,45 Minuten ins Wasser. Heute musste Biere nur 500 m im Hafenbecken von Bremerhaven zurücklegen und machte dies in einer absoluten Tagesbestzeit (5:46 min.) incl. Wechselzeit und Übergabe an Frank Beinhold. Damit waren alle bisherigen Schwimmrekorde von Bremerhaven eingestellt. Der Zeitfahrspezialist, Frank Beinhold, der sich in den vergangenen Wochen speziell auf diese Veranstaltung vorbereitet hatte, sollte nun 24 km auf dem Rad zurücklegen. Die 24 Kilometer waren nicht zu unterschätzen, denn der äußerst windanfällige und winkelige Kurs verlangte häufige Rhythmuswechsel, die sehr kraftraubend waren. Aber das sollte Frank nicht davon abhalten, nicht nur in der Staffel, sondern insgesamt die beste Tagesbestzeit in 37:31 min. inkl. Wechselzeit zu fahren. Als Läufer ging Stephan auf die 5 Kilometer-Strecke entlang am Zoo, wo der Wind ebenfalls kräftig gegen unsere Jungs blies. Stephan, der eigentlich auch mehr auf dem Rad unterwegs ist, hatte heute das Rad gegen die Laufschuhe getauscht. In der Zeit von 20:18 min. brachte Zielinski mit der siebtbesten Zeit den Staffelstab ins Ziel. Insgesamt gelang es dem Team, in neuer Bestzeit ( 1:03:36 min.) den Streckenrekord um knapp 1 min. zu verbessern – ein überglückliches Trio, vom dem wir wahrscheinlich auch in der Zukunft weitere Erfolge verbuchen dürfen.
09.08.2009 Kolding Dänemark, die Tage sind wieder gezählt, bis der letzte große Jahreshöhepunkt 2009 ansteht. Die Rad-WM in St. Johann, Tirol soll für Armin Raible im Meistertrikot der vermutlich letzte große int. Auftritt sein. Seine Strategie ist ähnlich wie vor der Deutschen Meisterschaft, bei der ja die Rechnung aufging, indem er viele Vorbereitungsrennen in Dänemark fährt. Ich hatte bereits vor einigen Wochen hier darüber berichtet, dass die Rennen dort viel härter und deutlich länger sind, als jene hier bei uns. So machte sich Armin einmal mehr auf nach Dänemark, um dort ein 110 km langes Straßenrennen zu fahren. Ideale Temperaturen und ein 22 km langer Rundkurs – „gespickt“ mit einigen Bergen und Höhenmetern – sollten die besten Vorrausetzungen sein, hier weiter an seiner Form zu pfeilen. Bereits nach 10 km setzten sich vier Fahrer ab, darunter auch Armin Raible, die gemeinsam Renngeschichte geschrieben haben. Zwei Runden vor Schluss musste einer der vier dem hohen Tempo Tribut zollen und fiel ins Feld zurück, das nur knapp eine Minute hinter den Ausreißern war. Im Finale legten es die beiden Dänen darauf an, Armin irgendwie noch abzuschütteln, da man bereits aus vergangenen Rennen wusste, wie stark der Buchholzer ist. Sie ließen ihn öfter führen und versuchten, Armin Stück für Stück „weichzukochen“. Am Ende, muss man fairerweise sagen, gelang es ihnen auch, denn 5 Kilometer vor dem Ziel zog einer der beiden Dänen am letzten Berg einfach durch und kam allein im Ziel an. Im Sprint um Platz zwei unterlag Armin nur knapp dem zweiten Dänen und wurde somit Dritter. „Egal, ich bin gekommen, um hier zu trainieren und nicht, um zu taktieren“, so die Worte von Armin im Ziel. Ich werde weiter an meinem noch harten Trainingsplan festhalten, und ich bin mir sicher, dass dies in St. Johann belohnt wir.